Sommerinterview mit Yannik Burghart
"Fußball habe ich zwar auch gespielt, aber das war nie wirklich meine Sportart."
Geschrieben von Philippe Bader
Autoschrauben, Tennis und der Lieblings-Campingplatz – aber wohl eher kein Fußball.
So oder so ähnlich lässt sich die Sommerpause von unserem Stürmer Yannik Burghart zusammenfassen. Lest aber gerne selbst.
Wie geht es dir gerade und was machst du so?
Mir geht es sehr gut. In der Sommerpause versuche ich, möglichst viel Zeit mit den Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind. Vor allem genieße ich die Zeit mit meiner Familie – auch mit den Verwandten, die weiter weg wohnen und die man während der Saison aufgrund des engen Zeitplans oft seltener sieht.
Die Sommerpause bietet Zeit zum Abschalten und Durchatmen. Gibt es trotzdem etwas am Eishockey, das dir in dieser Zeit besonders fehlt?
Am meisten fehlt mir das Eishockey an sich – ich denke, da spreche ich für viele Sportler. Es ist einfach der Sport, den wir lieben. Die ersten Wochen nach der Saison genieße ich es zwar, die Ausrüstung einmal nicht tragen zu müssen, aber dann wächst die Vorfreude schnell wieder. Besonders vermisse ich die Zeit mit den Jungs auf dem Eis und die Stimmung in der energie schwaben arena, wenn wir gemeinsam mit unseren Fans Siege feiern können.
Wie gestaltest du deine Vorbereitung auf die neue Saison? Arbeitest du in der Sommerpause lieber individuell an dir oder trainierst du gerne gemeinsam mit anderen Spielern?
Tatsächlich arbeite ich in der Sommerpause eher individuell, aber Dinge wie Zirkeltraining machen in der Gruppe einfach mehr Spaß und funktionieren im Team auch besser. Außerdem ist es immer schön, sich mit den Jungs auszutauschen, was über die Zeit passiert ist und was es Neues gibt.
Lieber Tänzelfest, Malediven oder Wanderurlaub – wie sieht für dich die perfekte Sommerpause aus?
Zu einer perfekten Sommerpause gehört für mich auf jeden Fall ein Besuch auf dem Kaufbeurer Tänzelfest. Außerdem verbringen wir jedes Jahr Zeit auf unserem Stamm-Campingplatz in Bibione und eine Woche am Wörthersee. Wenn danach noch Zeit bleibt, darf meine Freundin gerne entscheiden, wohin die nächste Reise geht.
Wenn du auf deine Nachwuchszeit zurückblickst: Gab es bestimmte Momente, Erfahrungen oder Menschen, die entscheidend dazu beigetragen haben, dass du den Weg zum Eishockeyprofi eingeschlagen hast?
Als Erstes muss ich definitiv meine Familie nennen, vor allem meine Eltern, die mir das alles ermöglicht haben – auch wenn das finanziell nicht immer einfach war. Früher war ein „Danke Mama“ und „Danke Papa“ selbstverständlich, aber erst mit eigenem Einkommen merkt man, wie viel Aufwand und Unterstützung wirklich dahintersteckt, inklusive täglichem Fahren, Abholen und Begleiten zu meinen Spielen in ganz Deutschland.
Auch viele Trainer haben mich auf meinem Weg geprägt, die ich ungern einzeln nennen möchte, um niemanden zu vergessen. Eine wichtige Erfahrung für mich war außerdem, dass man Dinge in erster Linie für sich selbst tun muss. Auch wenn es manchmal unangenehm wird, sollte man seinen Weg konsequent weitergehen und nicht den einfacheren wählen.
Die vergangene Spielzeit war von vielen Höhen und Tiefen geprägt. Welche Bedeutung hatten dabei die ESVK-Fans für dich persönlich und für die Mannschaft insgesamt?
Eine sehr große Bedeutung – und ich denke, ich kann hier auch für die Mannschaft sprechen, weil sich das mit meiner persönlichen Meinung deckt. Es war eine extrem harte Saison, in der viele Siege ausgeblieben sind. Trotzdem haben unsere Fans nie aufgehört, an uns zu glauben, und uns immer wieder nach vorne gepusht. Dafür muss man ihnen wirklich großen Respekt und enorme Dankbarkeit aussprechen – das ist keinesfalls selbstverständlich.
Wir brauchen nicht darüber zu reden, dass die letzte Saison sportlich alles andere als erfolgreich war. Aber umso bemerkenswerter war es, dass unsere Fans uns bis zum Schluss getragen haben. Besonders die 80-Jahr-Feier und die Choreografie waren ein starkes Zeichen dieses Supports. Leider ist es uns sportlich nicht gelungen, das entsprechend zurückzugeben. Genau das wollen wir in dieser Saison besser machen – diesen Support endlich mit Leistungen auf dem Eis zurückzahlen.
Mit Blick auf die kommende Saison – welche persönlichen Ziele hast du dir gesetzt?
Also ein persönliches Ziel ist es zunächst, ein wichtiger Teil der Mannschaft zu werden bzw. zu bleiben, der Mannschaft aber auch in vielerlei Hinsicht zu helfen. Auf dem Eis möchte ich außerdem meinen Scoring-Touch wieder mehr zur Geltung bringen, der vor allem im letzten Jahr bei mir eher weniger zu Vorschein kam.
Jeder Spieler erlebt einen Spieltag etwas anders. Was ist für dich der schönste oder emotionalste Moment an einem Heimspieltag in der energie schwaben arena?
Wenn ich wirklich nur einen einzigen Moment nennen soll, dann gibt es daran überhaupt keinen Zweifel, das ist zu 1000%, nach jedem Heimsieg gemeinsam mit der Mannschaft arm in arm vor der Heimkurve zu stehen und den Erfolg mit den Fans zu feiern. Das ist jedes Mal aufs Neue ein besonderer Augenblick, bei dem man einfach nur lächeln kann. Genau in diesen Momenten fühlt man sich unschlagbar – ganz egal, wie die Saison bis dahin verlaufen ist.
Wenn du nicht Eishockeyprofi geworden wärst: In welcher anderen Sportart würdest du dir die größten Erfolgschancen ausrechnen – und warum?
Wenn ich kein Eishockeyprofi geworden wäre, hätte ich es wahrscheinlich im Tennis versucht. Viele meiner Verwandten mütterlicherseits spielen Tennis, dadurch hatte ich hier schon immer einen Bezug. Alternativ hätte mich auch der Motorsport gereizt – Kartfahren oder Rennfahren im Allgemeinen finde ich sehr spannend. Am ehesten wäre es aber wohl Tennis geworden. Fußball habe ich zwar auch gespielt, aber das war nie wirklich meine Sportart.
Autos sind eine große Leidenschaft für dich, wie wir mitbekommen haben. Wie ist dieses Interesse entstanden und wie genau zeigt sich das, also was genau machst du?
Ja, ich habe tatsächlich eine große Leidenschaft für Autos, die vor allem durch meinen Vater entstanden ist. Er hat schon vor seiner Volljährigkeit begonnen, an Autos zu schrauben, und seit ich denken kann, wurde jedes neue Auto von ihm auch individuell verändert. Ich bin sehr dankbar dafür, weil es für mich kaum etwas Besseres gibt, als gemeinsam mit ihm in der Werkstatt zu stehen, abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen. Im Grunde „verschlimmbessern“ wir die Autos mit einem Augenzwinkern – realistisch gesehen geht es aber um kleine Anpassungen wie Tieferlegung, Felgen oder allgemeine optische Veränderungen. Manchmal wird daraus auch mehr, bis hin zu kompletten Restaurationen. Ein gutes Beispiel ist der alte Passat 35i meines Vaters, den er seit über 25 Jahren besitzt und komplett neu aufgebaut hat. Mittlerweile ist er fast so etwas wie ein kleiner Familienschatz.
Zum Abschluss: Gibt es etwas, das du den ESVK-Fans vor dem Start in die neue Saison gerne noch sagen möchtest?
Abschließend möchte ich sagen, dass wir Spieler mit großer Vorfreude auf die neue Saison blicken. Ich persönlich freue mich aber genauso darauf, unsere Fans wieder zahlreich im Stadion zu sehen und hoffentlich viele Siege gemeinsam mit ihnen feiern zu können. Bis dahin wünsche ich allen Fans einen schönen Sommer – wir sehen uns dann beim ersten Heimspiel unseres ESVK!
Foto: Alex Winterholler

